Josef Behrens

geb. München 07.11.1890, gest. Schlehdorf 22.07.1947

Josef Behrens ca. 1935 / 36,
eine von zwei gleichen Aufnahmen, die Fritz Arno Wagner mit Behrens´ zweiten Rückprojektionsverfahren “Rückprojektion mit Linse” versuchsweise anfertigte. Dabei bildete er einmal einen unscharfen Vorder- und scharfen Hintergrund ab (s. Abb) und einmal umgekehrt.

Josef Behrens wird bereits in der industriellen Zeit geboren. Er war als Ingenieur ein vielseitiger Erfinder, der in verschiedensten Bereichen der technischen Welt neue Perspektiven eröffnete, die seiner Zeit oft weit voraus waren.

Josef Behrens studierte von 1910 – 1913 Maschinenbau und Elektrotechnik an den Polytechniken in Chemnitz, Wismar, Eutin. Von 1914 -1917 arbeitete er als Ingenieur bei den Firmen AEG und C. Lorenz in Berlin. 1918 leistet er Militärdienst und war im selben Jahr Berater der Adler – Copier– und Entwicklungsanstalt in Berlin. Ab 1918 machte er in einem weiten Spektrum seiner Zeit vorauseilende Erfindungen, die von der Kinematographie über Optik, Fototechnik, Maschinenbau bis hin zu Geräten reichen, von denen hier einige aufgezählt werden.


Das grundlegende oder erste Rückprojektionsverfahren (ab 1918 patentiert)

Gleich nach dem Ende des I. Weltkrieges erfand Josef Behrens das Rückprojektions-verfahren. Mit dieser Erfindung war er seiner Zeit zu weit voraus gewesen. Er fand keinen Nutzer. Nachdem er wegen fehlenden Inter-esses der in Frage kommenden Anwender sein Patent aufgegeben hatte, machte das Verfahren grosse Karriere. Ab 1930 bestand-en bis zu 80% mancher Filme aus Rückpro-jektionsaufnahmen. Rückprojektion wurde zum Allgemeingut. Es wird auch im digitalen Zeitalter angewandt (u.a. Fernsehsendungen mit rückprojiziertem Hintergrund).

Kopf der Patenterteilung,
mit der für Josef Behrens vom 16.11.1918 an das grundlegende Rückprojektionsverfahren geschützt wurde.
Patentschrift von 1918,
Fig. 1-4, Darstellung der Möglichkeiten der Rückprojektion
g = Projektor, b = Bildschirm (Hintergrund), c = Darsteller vor dem Bildschirm, f = Darsteller hinter dem Bildschirm, e = Lichtquelle, h = Hohlspiegel

Das zweite Rückprojektionsverfahren, Rückprojektion mit Linse (1935 Patent angemeldet)

Für den aufkommenden lichtintensiven Farbfilm erwies sich die geringe Bildhelligkeit beim ersten, grundsätzlichen Rückprojektionsverfahren als Nachteil. Josef Behrens erfand sein zweites Rückprojektions-Verfahren, die Rückprojektion mit Linse. Es hatte kaum mehr Verluste durch Streulicht. Nach positiv verlaufenen Versuchen und Probeaufnahmen durch den Kameramann Fritz Arno Wagner, meldete Josef Behrens dieses Verfahren zum Patent an. Der Gründer der Babelsberger Filmstudios Guido Seeber wünschte die Einführung der neuen Technik. Durch die frühen Tode von Guido Seeber und Josef Behrens blieb das Verfahren, wie weitere Erfindungen von Josef Behrens, in Kriegs- und Nachkriegswirren stecken. Die Gebrüder Diehl-Film, Werbe-, Trick-, Kultur- und Puppenfilme in Gräfelfing bei München hatten bereits während des II. Weltkrieges Filme mit dem Verfahren gedreht.

Patentanmeldung von 1936 “Rückprojektion mit Linse”, rückvergrößerte Mikroverfilmung
Fig. 1-2: Prinzipdarstellung; P = Projektor, K = Aufnahmekamera, Q = Lichtquelle, O = Kondensor, Po = Projektorobjektiv, D = Diapositiv, Ko = Kameraobjektiv, F1 + F2 = Brennpunkte der Linsen, S1 + S2 = Strahler
Fig. 3-6: Anordnung der Linsen “hinter”, “vor” und “im” Szenarium, ferner Szenarium zwischen zwei Linsen
Rückprojektion mit Linse, Probeaufnahmen von Fritz Arno Wagner vor dem Hintergrund des Films “Amphitryon”

Projektograph, Vorläufer heutiger Fotokopierer und Optisches Zeichengerät. (ab Anfang der 1930-er Jahre)

Projektograph, Vorläufer heutiger Fotokopierer und Optisches Zeichengerät. (ab Anfang der 1930-er Jahre)

Von Anfang der 1930 er Jahre bis 1947 baute und vertrieb Josef Behrens von ihm erfundene Geräte zum fotographischen oder zeichnerischen Vergrössern und Verkleinern von Plänen, Zeichnungen, Karten und von Projektionen räumlicher Gegenstände. Projektographen waren mit einem sehr viel grösseren Leistungsumfang die Vorläufer der heutigen Fotokopierer. Vor und während des II. Weltkrieges wurden u.a,.die Polizeistationen aller deutschen Grossstädte mit diesen Geräten ausgerüstet.

Josef Behrens erweiterte sein Projektographen-System auch auf andere Anwendungsbereiche. Für die Rapportbearbeitung in der Kammgarn-Spinnerei Dierig in Langenbieleau / Schlesien entwickelte er ein Gerät mit verstellbaren Keilscheiben und der Möglichkeit, sowohl auf die eingebaute horizontale Mattscheibe als auch vertikal an eine Wand projizieren zu können. Nach dem II. Weltkrieg konstruierte er auf der Grundlage des Systems einen Daktylographen für die Polizei zum Vergleich von Fingerabdrücken.


Herstellung photographischer Kombinationsbilder mit rotierender Spiegelblende (1943)

Das Medium Film war für Josef Behrens nicht allein die Abbildung der Bewegung, sondern vielmehr die Möglichkeit, durch technische Verfahren Unmögliches darzustellen, Phanta-siewelten zu bieten, Räumlichkeiten zu ver-schieben und Dinge zusammen zu bringen, die normalerweise zusammen nicht existieren oder nicht zusammen gehören. Das Herstel-len von Kombinationsbildern beschäftigte ihn daher nicht nur im Rahmen der Rückprojek-tion, sondern auch durch seine Erfindung „ro-tierende Spiegelblende“. Bei diesem Ver-fahren werden bis zu 5 verschiedene Elemente im Kameraobjektiv zu einem Bild zusammen projiziert, z.B. rückprojizierter Hin-tergrund, davor Modellbau 1, davor Bühnen-bau, davor agierende Personen, davor Mod-ellbau 2. Mit dieser Vielfalt in einer einfachen Technik bot die rotierende Spiegelblende weit-aus grössere Möglichkeiten als das schwierig zu handhabende Spiegelauskratzverfahren, das nur 2 Bildkombinationen ermöglichte und weitere Nachteile besass.

Basis, Josef Behrens´ Studie zur Anordnung
Variante, Josef Behrens´ Entwurf für die Apparatur

 


Optisches Flächenchiffriergerät (1942)

Das Thema Chiffrierung und Dechiffrierung ging Josef Behrens mit dem grundsätzlich neuen Ansatz Optik an. Er erfand dazu ein optisches Gerät, das sich gleichermassen für schriftliche Mitteilungen wie für Pläne eignete und darüber hinaus weitere Möglichkeiten eröffnete, wie Schutz vor Erkennung von Fälschungen, z. B, bei Banknoten und Wert-papieren, bei der Anordnung von Wasserzeichen u.s.w.. Für dieses optische Chiffriergerät erfand Josef Behrens ein Verfahren, das erst sehr viel später mit der Erfindung des Lasers für das Auffinden von bestimmten Bildelementen und Bildstrukturen neue Bedeutung bekam: Die „optische Filterung“ durch Manipulation mit Maske. Mit dieser Erfindung nahm er bereits 1942 einen wichtigen Teil der späteren Entwicklung vorweg.

Stereo-Mikroskopie mit polarisiertem Licht (1943)

Josef Behrens machte den verblüffend einfachen Vorschlag vorhandene Mikroskope ohne Umbau zu Stereo -Mikroskopen zu optimieren durch Anwendung des physikalischen Phänomens „Polarisiertes Licht“. Auch diese Erfindung wurde durch den frühen Tod des Erfinders nicht mehr realisiert. Der heutige Stand der Mikroskopie-Technik kennt noch kein Stereo-Mikroskop mit polarisiertem Licht und noch keinen Zusatz, der aus einem normalen Mikroskop ein Stereo-Mikroskop macht. Mit diesem genial einfachen Gedanken war Behrens 1943 seiner Zeit mehr als 65 Jahre voraus und ist es z. Zt. immer noch.

Kontinuierlicher Filmlauf, Vorrichtung zum optischen Bildausgleich für die kinematographische Aufnahme oder Projektion (1943)

Auf der Grundlage der Strahlenablenkung durch rotierende optische Keilscheiben erfand Josef Behrens für die kinematographische Aufnahme und Projektion eine Vorrichtung für einen optischen Bildausgleich, bei der der Filmstreifen nicht mehr über ein Malteserkreuz ruckartig weitergeschaltet, sondern den Film schonend kontinuierlich transportiert wird.

Verfahren zum Bedrucken von Tapeten (1930 patentiert)

Josef Behrens entwickelte ein spezielles Quetschdruckverfahren zum Drucken von Tapeten und konstruierte dazu die entsprechenden Druckmaschinen, mit denen die Berliner Firma Tapana in den 1920-er und 1930-er Jahren einzigartige Tapeten herstellte.


 

Unterwasser-Treibvorrichtung für Wasserfahrzeuge (1944)

Gasgetriebene torpedoartige Vorrichtung, die wie ein Aussenbordmotor am Heck des Bootes befestigt wurde.

Kettenwasserfahrzeug (1944 )

Kettenfahrzeug, das auf Schwimmkörpern schnell über das Wasser rollt ohne eine Ener-gie absorbierende Bugwelle zu erzeugen.

Physiognomisches Erkennungsgerät
Funktionsmodell mit abwechselbaren Einsatzscheiben für Augen und Mund, erweiterbar für Haare, usw

Physiognomisches Erkennungsgerät (1946)

Praktikable Vorrichtung auf kinematischer Basis zur polizeilichen Phantombilderstellung, das in der Nachkriegsphase einfach produzierbar war.


Josef Behrens’ Werbeplakat Rolly Round 35,5 x 47,7 cm groß, ca. 1933

Stehauf-Tintenfass Rolly Round (1931 pat.)

Unausschüttbares Tintenfass zur Zeit des Gebrauchs von Federhaltern. Das unverschlossene Fass konnte mit sichtbarer Tinte in der Öffnung als ästhetische Kugel über den Tisch oder Boden gerollt werden.


Claus Großkopf: „Josef Behrens, Erfindungen 1918–1947“, Berlin 2007, 128 S. 107 Abb

Josef Behrens während und nach dem zweiten Weltkrieg

Wie bereits unter “Peter Behrens” erwähnt, wurde dieser von den Nationalsozialisten dis-kriminiert. Sein Sohn Josef wurde sogar von ihnen verfolgt. Nur durch die Indiskretion eines Mitarbeiters des Deutschen Patentam-tes konnte er dem Konzentrationslager entge-hen. Diese nationalsozialistische Verleum-dung wirkte sich auch nach dem II. Weltkrieg noch aus, als ehemalige Nationalsozialisten wieder alte Funktionen bekleideten. Josef Behrens starb vor dem Beginn des so genannten deutschen Wirtschafts-Wunders. Damit blieb ein Grossteil seiner nicht offen gelegten Erfindungen unausgenutzt.

 


Literatur:

Reichspatentamt, Behrens J. „Verfahren zur Aufnahme beweglicher Lichtbilder“,
Pat.-Schrift Nr. 323939, Ausg. 12.Aug.1920

Reichspatentamt, Behrens J. „Verfahren zum Bedrucken von Tapeten“,
Pat.-Schrift Nr 563181, Ausg. 03.Nov. 1932

Reichspatentamt, Behrens J. „Stehauftinten-fass“,
Pat.-Schrift Nr. 584 101 Ausg. 15.Sept. 1933

Reichspatentamt, Behrens J. „Vorrichtung zur Herstellung photographischer Kombinations-bilder“, P.A. 992849 v. 18.12.39,

Reichspatentamt, Behrens J. „Herstellung photographischer Kombinationsbilder mit rotierender Spiegelblende“ P.A. 256 2451, 14.04.1943

Claus Großkopf: „Josef Behrens Erfindungen 1918–1947“, Berlin 2007, 128 S. 107 Abb.